Mittwoch, Dezember 12, 2018

Ein Update auf das TIA-Portals V15 ist in Arbeit ...

Am 10. Juni 2009 hatte Siemens die Lieferfreigabe für das TIA-Portal V10 gegeben ...

Das Ganze wurde eine Verflechtung aus

  • dem nicht gerade fortschriftlichen und unkomfortablen WinnCC 2008 flexible
  • Step 7, mit seinem reduziertem Sprachumfang (bis heute im TIA-Portal keine OOP)
  • neu erfundenen Rädern, die nicht funktionieren wie man es erwartet (Versionsverwaltung)
  • einer Oberfläche die weit von dem weg ist, was man intuitiv und ergonomisch nennen könnte

Weitere Auffälligkeiten, die sich auch nach 8 Jahren Entwicklung unwesentlich verbessert haben

  • das UI entspricht immer noch nicht dem Windows-Style-Guide sondern ist eine Mischung aus Eigenbau, Apple-Aqua und stellenweise mit der Rückständigkeit von Windows 3.11 (z.B.: die Größer der Slider paßt sich nicht an den Inhalt an, sondern diese bleiben oft gleich groß)
  • das Ganze (wie WinCC flexible) basiert auf dem .Net-Framework, welches dem TIA-Portal zu einer "unerwarteten" Trägheit verhilft
  • trotz angeblicher IEC 61131-3 Kompatibilität führte Siemens in SCL (ST) das Variablen-Präfix # ein.
    Der so entstehende SCL-Quelltext ist nun mit nichts mehr kompatibel - schon gar nicht mit der IEC 61131-3.
  • ein mittlerweile umständlich zu bedienender Simulator (z.B. kann der Zustand von digitalen Eingängen nicht mehr direkt angewählt werden)
  • der Wegfall der Übersetzung der HMI-Texte (dafür ist wieder eine externe Software nötig - aber das "TIA Translation Tool" unterstützt nicht die Version V14!)
  • eine extrem unübersichtliche Oberfläche, die auf kleineren Auflösungen (1920 x 1080 px) nicht vernünftigt zu bedienen ist, da kaum mehr Platz für den eigentlichen "Programmierbereich" bleibt
  • die Zugriff über die API (Openess) ist im Vergleich zu Step 7 sehr umständlich geworden; dazu kommt noch, dass diese relativ unvollständig ist
  • als Import / Export Format für Listen aller Art, kann man nicht mehr den kleinsten gemeinsamen Nenner (CSV usw.) verwenden, sondern muss XLSX verwenden (kaum zu handhaben wenn MS-Excel nicht installiert ist).
    Man kann es an diesem und anderen Punkten fast nicht glauben, dass die Firma Siemens Mitglied bei AutomationML und PLCopen ist.
    Auf der anderen Seite: Wenn man die Seiten von AutomationML und PLCopen betrachtet, stecken diese auch im letzten Jahrtausend fest ...
  • extremer Speicherverbrauch:
    Die 64bit Version verbraucht nach dem Start, ohne eine Projekt zu laden, über 600 MB Arbeitsspeicher, der beim Arbeiten immer weiter ansteigt und sich bei geladenem Projekt (ohne Inhalt) beim Drucken auf einen Gesamtspeicherverbrauch von über 3,5 GB steigert.
  • die Reaktionszeiten auf Eingaben sind sehr träge und für Aktionen wie ein neues Gerät einzusetzen, gibt es eine richtige Pause ...
    Das Problem haben IDEs wie z.B. Schneider Unity Pro XL 10 ebenfalls.
    Diese Trägheit des Siemens TIA-Portals ist sehr unabhängig von der Hardwareaustattung, da während dieser Zwangspausen die Festplatte / SSD kaum und die CPU fast gar nicht beansprucht werden; auch an der Menge des verfügbaren Arbeitsspeichers scheint es nicht zu liegen.
    Wodurch diese Pausen verursacht werden, kann ich noch nicht genau nachvollziehen, ich untersuche das in weiteren Tests noch genauer.
  • Für Liebhaber von Antiquitäten:
    Fast pünktlich zum 40sten Jubiläum von PEEK und POKE (diese Befehle wurden von Bill Gates und Paul Allen 1975 in der Programmiersprache Altair BASIC eingeführt) wurden diese in den Sprachumfang mitaufgenommen - Zukunftsorientierung sieht anderst aus ...
  • ...

Installation und System-Vorraussetzungen

Systemvorraussetzungen für das Siemens TIA-Portal V14 SP1
Merkmal empfohlen Anmerkung von mir
Unterstützte Betriebssysteme Windows 7 (64 Bit)
  • Windows 7 Home Premium SP1 (nur STEP 7 Basic)
  • Windows 7 Professional SP1
  • Windows 7 Enterprise SP1
  • Windows 7 Ultimate SP1
Windows 8.1 (64 Bit)
  • Windows 8.1 (nur STEP 7 Basic)
  • Windows 8.1 Professional
  • Windows 8.1 Enterprise
Windows 10 (64 Bit, neu mit V14 SP1)
  • Windows 10 Home Version 1607 (nur STEP 7 Basic)
  • Windows 10 Professional Version 1607
  • Windows 10 Enterprise Version 1607
  • Windows 10 Enterprise 2016 LTSB
  • Windows 10 Enterprise 2015 LTSB
Windows Server (64 Bit)
  • Windows Server 2008 R2 StdE SP1 (nur STEP 7 Professional)
  • Windows Server 2012 R2 StdE
  • Windows Server 2016 Standard
 Nur noch 64 Bit Systeme werden unterstützt.
Zusätzlich wird benötigt bzw. installiert:
.NET Framework V4.6.2
Prozessor Intel Core i5-6440EQ, 3,4 GHz 3,4 GHz ist die max. Turbo-Taktfrequenz
Einführungsdatum Q4'15
entspricht einem AMD Phenom II X6 1100T
Zum Vergleich siehe auch: cpubenchmark.net
RAM 16 GB oder mehr (für große Projekte 32 GB) Speicher ist erfahrungsgemäß wichtiger als CPU Geschwindigkeit.
Netzwerk 1 GBit (für Multiuser)
HD SSD mit mindestens 50GB freiem Speicherplatz
Bildschirmauflösung 1920 x 1080 px Das ist das unterste Minimum, wie wir später noch sehen werden.
Kompatibilitäten zu anderen Produkten
Ein Projekt-Upgrade auf TIA Portal V14 erfolgt ausschließlich auf Basis von TIA Portal V13 SP1-Projekten (letztes Update empfohlen). Um Sie dabei bestmöglich zu unterstützen liegt den V14 SP1 Produkten der aktuelle Stand von V13 SP2 bei. Ein Kompatibilitätsmode wird nicht unterstützt.Lieferfreigabe STEP 7 V14 SP1, Siemens
 Den Aufwand um an einem Projekt weiterzuarbeiten das z.B. mit dem Siemens TIA-Portal V10 erstellt wurde, kann sich Aufgrund dieser Aussage jeder vorstellen.

Hier bleibt zu hoffen, dass dies bei zukünftigen Versionen einfacher ist.
Das Upgrade von älteren Projekten funktioniert leider oft gar nicht.
Das beste Beispiel hierfür sind die Beipiel-Projekte von Siemens, die mit der V12 erstellten wurden und sich mit der V13 weder Upgraden noch Öffnen lassen.

Noch eine Anmerkung zur Projekt-Kompatibilität zu älteren Versionen des Siemens TIA-Portals

Hier hat man im Prinzip (auf Basis des TIA-Portals) wenige brauchbare Möglichkeiten mit dem Problem umzugehen:
  1. man Upgraded ständig alle alten Projekte auf die neueste Version des Siemens TIA-Portals - nur ist das in der Praxis praktikabel und erwünscht?
    Die entstanden Projekte entsprechen, dann auch nicht mehr den Projekten in der Steuerungen!
  2. oder man betreibt Installationen (VMs) aller nötigen Versionen des Siemens TIA-Portals, um jederzeit die notwendigen Projekt-Upgrades durchführen zu können.

 Damit die Installation des TIA-Portals (wie so oft bei Siemens) keine Neuinstallation meines Rechners nach sich zieht, hab ich das ganze in einer VM installiert:
  • VirtualBox V5.2.6
  • RAM: 8 GB
  • Prozessoren 4 (Phenom X4 955)
  • VM: Windows 7 Professional 64 bit
  • Grafik: 128 MB
Was ich auch dringend Jedem empfehle der produktiv damit arbeitet.
Ein Update des TIA-Portals (oder anderer Software der Firma Siemens) war bisher erfahrungsgemäß immer mit dem Risiko verbunden, dass dieses fehlschlägt und die einzige Abhilfe eine Neuinstallation des Rechners war.
Mit einer VM kehrt man einfach auf den (hoffentlich) gespeicherten Sicherungspunkt zurück und arbeitet wieder weiter.
Auch in Bezug auf die Upgrade-Möglichkeiten von älteren Projekten empfehle ich VMs mit den nötigen unterschiedlichen Versionen des Siemens TIA-Portals zu betreiben (siehe Tabelle oben).

Was zuerst auffällt

  • die neuste Version besteht aus mehreren Downloads mit insgesamt über 16 GB Daten (siehe auch: SPS - IDE Vergleich)
  • es gibt immer noch keine Möglichkeit die aktuellste Version komplett herunterzuladen. Man muss nach der Installation erst noch das neueste Update einspielen; allerdings für verschiedene Teile wie z.B PLCSIM jeweils getrennt.
  • die Wartezeiten auf das Programm, im Vergleich zu Step 7 V5.5, sind (auf dem gleichen System) stellenweise immer noch um Faktor 5 höher
  • es erscheinen beim Starten und Arbeiten nicht mehr hunderte von Debug-Meldungen, die Tools wie DebugView fast nutzlos machten
  • Toolbars verschwinden immer noch bei Verkleinern der Oberfläche, dafür bleibt der Schriftzug für das TIA-Portal sichtbar.
  • die Farbgebung der aktiven Fensterelemente ist immer noch in einem blaustichigen Farbton gehalten (#3A445E)
    TIA Portal V14 Farbgebung Highlight
    Gerade beim Arbeiten mit der HMI wäre ein neutraler Grauton sinnvoller, wie er schon seit Jahren in der Grafikverarbeitung empfohlen und verwandt wird.

  • die Oberfläche läßt sich immer noch nicht so anpassen, dass ein übersichtliches Arbeiten möglich wäre.
    Der rot markierte Bereich ist die Standard-Darstellung eines Netzwerkes in FUP:
    TIA Portal%20V14

    Vergleich mit anderen IDEs:
    • CODESYS V3.5 SP10 Patch 4CODESYS V3.5 SP10 Patch 4
    • PLCOpenEditor 1.2PLCOpenEditor 1.2
    • Step 7 V5.5 SP4Step 7 V5.5 SP4
    • TIA V14 SP1 Upd1TIA V14 SP1 Upd1
    • TwinCAT 3TwinCAT 3
    • Unity Pro XL 10Unity Pro XL 10
    • WinSPS S7 V6.04WinSPS-S7 V6.04

    Simple Image Gallery Extended

    alle bei einer Bildschirmauflösung von 1920 x 980 px.

  • Die Liste(n) mit den Anweisungen sind immer noch in kleine, kaum sinnvoll bedienbare Bereiche unterteilt, anstatt diese komplett in einem TreeView unterzubringen
    (rechts mein Step 7-Mode / Xinsert für jEdit):
    TIA Portal V14 Anweisungen S7 Jedit
  • die Reaktionszeit auf Eingaben ist immer noch deutlich langsamer, wie bei anderen SPS-IDEs - auf der gleichen Hardwareumgebung
  • der Arbeitsspeicher scheint, nach dem Öffnen eines Projektes, nicht mehr vollzulaufen (werde ich noch genauer untersuchen)
  • als neue Step 7 Sprachinovation wird das Umschalten zwischen Einfüge- und Überschreibemodus in SCL angepriesen!
    TIA Portal V14 Einfgemodus
    Nach 8 Jahren Entwicklungszeit? Das konnten die meisten Programme schon vor MS-DOS ...

  • um Systemfunktionen parametrieren zu können (z.B. PID-Regler), muss man immer noch in deren Speicherbereich hineinschreiben (kein Daten- /Speicherschutz)
  • eine automatische Sicherung (Zeitintervall) des aktuellen Projektes ist immer noch nicht möglich
  • das Speichern eines Projektes löscht alle Daten um Aktionen rückgängig zu machen
  • für das (komfortable) Übersetzen von Texten ist immer noch eine externe Software notwendig (im Gegensatz zu WinCC flexible)
  • der TIA-Updater kann nun wieder das, was vor dem TIA-Portal mit Step 7 wunderbar funktionierte:
    Alle (Hardware)Updates auf einmal einspielen, ohne jedes einzeln bestätigen zu müssen

Also nichts, was auf Anhieb begeistern könnte.


Ein schneller Test

Immer noch vorhandene Fehler und Probleme
(Meldung von mir an Siemens im Jahr 2014)

  • der "Ausdruck" einer Typ-Version aus den Bibliotheken erzeugt immer noch ein "leeres" Blatt auf dem sich nur eine kurze Beschreibung befindet:
    TIA Portal V14 Druckvorschau Typ

  • die Unterschiede zwischen zwei Typ-Versionen lassen sich immer noch nicht anzeigen (nur der externe Umweg über Quelltexte möglich)
  • ein Export der Variablentabelle ist immer noch nur als XLSX möglich, kein XML, CSV oder Ähnliches.
    Für die weitere Verarbeitung mit anderen Programmen oder Scripten ist das absolut unzureichend.
  • die Reiter für Eigenschaften usw. gelten immer noch nur für das eingebette Fenster und nicht für das aktivierte.
    Dies macht das Arbeiten mit abgelösten Fenstern (z.B. auf mehreren Bildschirmen) größtenteils nutzlos.
    TIA Portal V14 Variablen Eingenschaften

  • die Bedienung zwischen dem SPS und HMI Teil weist immer noch große Unterschiede auf.
    Z.B. scheinen folgende Textlisten immer noch aus unterschiedlichen Programmen zu stammen:
    TIA Portal V14 Textlisten

  • in Folge eines Programmabsturzes werden immer noch sämtliche vorgenommenen Änderungen und Einstellungen am Projekt und Programm vergessen
  • an der "Drohung" mit 16 GB als Vorraussetzung scheint was dran zu sein:
    • beim Starten des TIA-Portals wird erstmal ein Prozess gestartet der irgendwann ca. 1 GB benötigt (angefordert 2 GB).
    • beim Laden eines Projektes wird ein weiterer Prozess gestartet der dann irgendwann ca. 700 MB benötigt
    • beim Drucken wird nochmals eine neuer Prozess gestartet, der nochmals ca. 700 MB benötigt
    • der FileStorage.Server.exe genehmigt sich auch noch ca. 500 MB

      TIA Portal V14 Speicher 1

      TIA Portal V14 Speicher VMMap

      D.h. bei meinen 6 GB Arbeitspeicher erzeugt dieser Zustand eine Systemfehlermeldung wegen Speichermangel und einen Absturz des TIA-Portals. Das passiert bei mittlerweile 8 GB nicht mehr - mal sehen wie lange das anhält.
      In dem gesamten Projekt war dabei nichts weiter vorhanden wie ein leerer OB1, ein SCL-Baustein mit drei Kommentaren und ein Panel mit der automatische erzeugten Basis-Oberfläche.

     Ein kleines Tool zur Verminderung dieses Problems gibt es von mir unter SPS Downloads (TIA_EmptyWorkingSet).

  • da kommen wir schon zum nächsten immer noch vorhandenen Problem:
    Der Teil des TIA-Portals das den Absturz anzeigt benötigt immer noch ein externes E-Mail Programm um den Fehlerbericht senden zu können.

    Die paar Zeilen zum Senden hätte man auch noch programmieren können - aber vielleicht würden dann die eingehenden Fehlermeldungen bei der Firma Siemens überhanden nehmen ... schließlich muß man sich um neue Features kümmern, anstatt jahrealte Fehler zu beseitigen.
  • Der Updater hinterläßt immer noch alle entpackten Setup-Dateien im Temporär-Verzeichnis des Anwenders.
    Hier sammeln sich folgedessen im Laufe der Jahre viele Gigabyte an unnötigen Daten an - am besten das Verzeichnis gezielt in Tools wie CCleaner mitaufnehmen.

Der Test geht weiter ...

Eine transitorische ischämische Attacke (TIA) ist eine Durchbluttungsstörung des Gehirns, welche neurologische Ausfallerscheinungen hervorruft, die sich innerhalb von 24 Stunden völlständig zurückbilden ....

TIA Wikipedia

Die Definition könnte stimmen ... nur die 24 Stunden passen leider nicht.

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