Donnerstag, August 17, 2017

Am 10. Juni 2009 hatte Siemens die Lieferfreigabe für das TIA-Portal V10 gegeben ...

 

Das Ganze wurde eine Mischung aus

  • dem nicht gerade fortschriftlichen und unkomfortablen WinnCC flexible
  • Step 7, mit seinem dürftigen Sprachumfang (bis heute im TIA-Portal keine OOP)
  • neu erfundenen Rädern, die nicht funktionieren wie man es erwartet (Versionsverwaltung)
  • einer Oberfläche die weit von dem weg ist, was man intuitiv und ergonomisch nennen könnte


Weitere Folgen davon, die sich auch nach 8 Jahren Entwicklung keinesfalls verbessert haben

  • das Ganze (wie WinCC flexible) basiert auf dem .Net-Framework, welches dem TIA-Portal zu einer "unerwarteten" Trägheit verhilft
  • einem mittlerweile umständlich zu bedienendem Simulator (z.B. kann der Zustand von digitalen Eingängen nicht mehr direkt angewählt werden)
  • dem Wegfall der Übersetzung der HMI-Texte (dafür ist wieder eine externe Software nötig)
  • eine extrem unübersichtliche Oberfläche, die auf kleineren Auflösungen (1920 x 1080 px) nicht vernünftigt zu bedienen ist, da kaum mehr Platz für den eigentlichen  "Programmierbereich" bleibt
  • die Zugriff auf die API (Openess)  ist im Vergleich zu Step 7 sehr umständlich geworden; dazu kommt noch, dass diese relativ unvollständig ist
  • als Import / Export Format für Listen aller Art, kann man nicht mehr den kleinsten gemeinsamen Nenner (CSV usw.) verwenden, sondern muss XLSX verwenden (kaum zu handhaben wenn MS-Excel nicht installiert ist).
    Man kann es an diesem und anderen Punkten fast nicht glauben, dass die Firma Siemens Mitglied bei AutomationML und PLCopen ist.
  • extremer Speicherverbrauch:
    Die 64bit Version verbraucht nach dem Start, ohne eine Projekt zu laden, über 600 MB Arbeitsspeicher, der beim Arbeiten immer weiter ansteigt und sich bei geladenem Projekt (ohne Inhalt) beim Drucken auf einen Gesamtspeicherverbrauch von über 3,5 GB steigert.
  • nur auf neuesten PCs halbwegs gut zu bedienen - die Reaktionszeiten auf Eingaben sind sonst sehr sehr träge und für Aktionen wie ein neues Gerät einzusetzen, gibt es eine richtige Pause ...
  • ...

Die Liste läßt sich lange fortführen, aber dazu später.


Für den Test der V14 SP1 ziehe ich hier Vergleiche zur V13 SP1 Upd9


Was zuerst auffällt

  • die neuste Version besteht aus mehreren Downloads mit insgesamt über 8GB Daten
  • es erscheinen beim Starten und Arbeiten nicht mehr hunderte von Debug-Meldungen, die Tools wie DebugView fast nutzlos machten
  • die Farbgebung der aktiven Fensterelemente ist immer noch in einem blaustichigen Farbton gehalten (#3A445E)

    Gerade beim Arbeiten mit der HMI wäre ein neutraler Grauton sinnvoller, wie er schon seit Jahren in der Grafikverarbeitung empfohlen und verwandt wird.

  • die Oberfläche läßt sich immer noch nicht so anpassen, dass ein übersichtliches Arbeiten möglich wäre.
    Der rot markierte Bereich ist die Standard-Darstellung eines Netzwerkes in FUP:

    bei einer Bildschirmauflösung von 1920 x 980 px.

  • Die Liste(n) mit den Anweisungen sind immer noch in kleine, kaum sinnvoll bedienbare  Bereiche unterteilt, anstatt diese komplett in einem TreeView unterzubringen:


  • die Reaktionszeit auf Eingaben ist immer noch deutlich langsamer, wie bei anderen IDEs - auf der gleichen Hardwareumgebung
  • der Arbeitsspeicher scheint, nach dem Öffnen eines Projektes, nicht mehr vollzulaufen (werde ich noch genauer untersuchen)

  • als neue Step 7 Sprachinovation wird das Umschalten zwischen Einfüge- und Überschreibemodus in SCL angepriesen!

    Nach 8 Jahren Entwicklungszeit? Das konnten die meisten Programme schon vor MS-DOS ...

  • der TIA-Updater kann nun wieder das, was vor dem TIA-Portal mit Step 7 wunderbar funktionierte: Alle (Hardware)Updates auf einmal einspielen, ohne jedes einzeln bestätigen zu müssen

Also nichts, was mich auf Anhieb begeistern könnte.


Damit mir die Installation des TIA-Portals (wie so oft bei Siemens) keine Neuinstallation meines Rechners nach sich zieht, hab ich das ganze in einer VM installiert:

  • VirtualBox V5.1.22
  • RAM: 6 GB
  • Prozessoren 4 (Phenom X4 955)
  • VM: Windows 7 Professionl 64 bit
  • Grafik: 128 MB

Ein schneller Test

Immer noch vorhandene Fehler und Probleme

(Meldung von mir an Siemens vor ca. 2 Jahren)

  • der "Ausdruck" einer Typ-Version aus den Bibliotheken erzeugt immer noch ein "leeres" Blatt auf dem sich nur eine kurze Beschreibung befindet:


  • die Unterschiede zwischen zwei Typ-Versionen lassen sich immer noch nicht anzeigen
  • ein Export der Variablentabelle ist immer noch nur als XLSX möglich, kein XML, CSV oder Ähnliches.
    Für die weitere Verarbeitung mit anderen Programmen oder Scripten ist das absolut unzureichend.
  • die Reiter für Eigenschaften usw. gelten immer noch nur für das eingebette Fenster und nicht für das aktivierte.
    Dies macht das Arbeiten mit abgelösten Fenstern (z.B. auf mehreren Bildschirmen) größtenteils nutzlos.


  • an der "Drohung" mit 16 GB als Vorraussetzung scheint was dran zu sein.
    • beim Starten des TIA-Portals wird erstmal ein Prozess gestartet der irgendwann ca. 1,5 GB benötigt.
    • beim Laden eines Projektes wird ein weiterer Prozess gestartet der dann irgendwann ca. 900 MB benötigt
    • beim Drucken wird nochmals eine neuer Prozess gestartet, der nochmals ca. 600 MB benötigt
    • der FileStorage.Server.exe genehmigt sich auch noch ca. 500 MB



      D.h. bei meinen 6 GB Arbeitspeicher erzeugt dieser Zustand eine Systemfehlermeldung wegen Speichermangel und einen Absturz des TIA-Portals.
      In dem gesamten Projekt war dabei nichts weiter vorhanden wie ein leerer OB1, ein SCL-Baustein mit drei Kommentaren und ein Panel mit der automatische erzeugten Basis-Oberfläche.

      Ein kleines Tool zur Verminderung dieses Problems gibt es dort:
      TIA-Portal Downloads (TIA_EmptyWorkingSet)

  • da kommen wir schon zum nächsten immer noch vorhandenen Problem:
    Der Teil des TIA-Portals das den Absturz anzeigt benötigt immer noch ein externes E-Mail Programm um den Fehlerbericht senden zu können.

    Die paar Zeilen zum Senden hätte man auch noch programmieren können - aber vielleicht würden dann die eingehenden Fehlermeldungen bei der Firma Siemens überhanden nehmen ... schließlich muß man sich um neue Features kümmern, anstatt jahrealte Fehler zu beseitigen.

Update:

  • Der Updater hinterläßt immer noch alle entpackten Setup-Dateien im Temporär-Verzeichnis des Anwenders.
    Hier sammeln sich folgedessen im Laufe der Jahre viele Gigabyte an unnötigen Daten an - am besten das Verzeichnis gezielt in Tools wie CCleaner mitaufnehmen.

 

      der Test geht weiter ... diesmal mit 8 GB RAM.

 


Wikipedia:
TIA: "Eine transitorische ischämische Attacke (TIA) ist eine Durchbluttungsstörung des Gehirns, welche neurologische Ausfallerscheinungen hervorruft, die sich innerhalb von 24 Stunden völlständig zurückbilden ...."

Die Definition könnte stimmen ... nur die 24 Stunden passen leider nicht.