Montag, August 20, 2018

Wie ich werde, was ich bin (Selbst-)Coaching für hochbegabte Erwachsene.

Autor(en)
Verlag
BoD (Books in Demand)
Auflage
1
Veröffentlicht
Seiten
336
ISBN
978-3839112885
Bewertung
Das Buch gibt einen Überblick über das Phänomen Hochbegabung. Es klärt auf über den Tatbestand und gibt einen Einblick in das Seelenleben, die Erfolge und Misserfolge hochbegabter Erwachsener. Der Leser lernt die speziellen Schwierigkeiten Hochbegabter – teilweise in Form von Berichten Betroffener – kennen und bekommt schließlich Unterstützung, wenn es darum geht sich einen kompetenten Coach zu suchen. Außerdem enthält dieses Buch eine Menge Anregungen (als hoch-begabter Erwachsener) sich selbst zu helfen, seine Ressourcen möglichst umfassend zu nutzen und so auf eine zufriedenstellende Lebensführung zuzusteuern. Interessierte Nichthochbegabte oder diejenigen, die sich unsicher sind, ob sie hochbegabt sind oder nicht, finden Unterstützung im Umgang mit Hochbegabten – quasi eine Gebrauchsanweisung – oder für die eigene Entscheidung, sich testen zu lassen, um (endlich) Klarheit zu gewinnen. Und endlich zu werden, was sie sind!
Die Leser dieses Buches, werden wohl meist unter Hochbegabung "leiden". Leiden vor allem deshalb, weil einem nie gezeigt wird, wie man seine "PS auf die Straße bringt" (Underachiever). Die Hilfestellungen von seinen Mitmenschen (auch Coaches!), die meist lautet: "Hilf dir selbst, wenn du so schlau bist", führt (bei mir zumindest) eher in ein Chaos aus Überlegungen, Aktionismus und noch mehr Lernen. Das hilft aber meist nicht weiter - im Gegenteil: Man entwickelt sich zu einem "allwissenden" Dilletanten, den die meisten Aufgaben vollkommen unterfordern, aber dennoch nirgendwo ein wirkliches Genie ist.
Wer noch in keinem Bereich auf der Stufe "Genie" angelangt ist, weil es viel zu viel zu Entdecken und Lernen gibt, sollte sich das Buch "Grit, die neue Formel zum Erfolg" ansehen. Eine Rezension dazu folgt noch.

Das Buch ist auch für Menschen sehr interessant die mit Hochbegabten in ihrem Umfeld haben zu tun haben, um zu sehen, dass diesen auch nicht immer alles so leicht fällt und woher die häufig vorkommende "mangelhafte Sozialkompetenz" (man sollte eher sagen Langeweile) kommt. Diesen Punkt kann man zwar manchmal überspielen, allerdings ist dauerhaftes Verbiegen und Verstellen wirklich anstregend.

Das Buch besteht aus den Kapiteln:
  1. Interview mit Betroffenen (13 Seiten)

  2. Hochbegabung als Phänomen (34 Seiten)

  3. Hochbegabung als Falle (63 Seiten)
    Hier dürfte sich der hochbegabte Leser an fast allen Punkten wiedererkennen.
    Trotz der Kenntniss der Fallen, nicht wieder in diese hineinzufallen ist eine wirkliche Herausforderung. Leider erkennt man (ich) dies meist erst nachdem man darin liegt. Befindet man sich in einer entsprechenden Situation ist es extrem anstregend dem entgegenzuwirken.

  4. Auswege aus der Hochbegabten Falle (22 Seiten)

  5. Coaching durch professionellen Coach (21 Seiten)

  6. Mein Anspruch an ein gutes Coaching (23 Seiten)
    Wer es sich schon mal angetan hat einen Coach zu suchen und dabei festgestellt hat, dass einem die dortigen Lösungen nicht zielführend erscheinen (unterkomplex?, falsche Richtung), sollte - weitersuchen.
    Im Prinzip vermittelt dies auch das Buch - Coaching auf Augenhöhe sollte es auf jeden Fall sein, sonst ist es Zeitverschwendung. Leider habe ich bei (angeblich) "gleicher Augenhöhe" auch schon festgestellt, dass der Coach selbst in einige der Fallen, aus Kapitel 3, tappt ... nein - jemand der selbst darin liegt, kann einem nicht aus der Falle helfen.

  7. Selbstcoaching (35 Seiten)
    Durch Selbstcoaching (du bist so schlau, also hilf dir selbst) Auswege aus den "alltäglichen Fallen" zu finden und die "eigenen PS auf die Straße zu bringen", sieht leicht aus, läßt einen aber immer wieder die im 3. Teil genannten Fallen tappen.
    Die Lösungen erscheinen relativ einfach und bekannt. Wer sich schon mit NLP beschäftigt hat, dürfte einiges davon kennen.

    Der radikalste Lösungansatz ist in drei Sätzen zusammengefaßt:
    • Wenn etwas funktioniert, mach mehr davon!
      Dort lauert allerdings schon die nächste Falle: Was tun wenn der Tag für die "funktionierenden" Sachen nicht genug Stunden hat?
    • Wenn nicht, dann lass es sein!
      Passiert leider selten ...
      Ein Hauptproblem dürfte hier allerdings oft sein: Smalltalk oder Erklärungen - wenn es nicht klappt, läßt man es einfach. An diesem Punkt sollte man sich den Punkt "Reframing" nochmal genauer ansehen.
    • Wenn etwas in Ordnung ist, dann reparier es nicht!
      Die nächste Falle: Aber man kann doch (fast) alles optimieren ...

  8. Und nach einem erfolgreichen Selbstcoaching? (9 Seiten)
    In der Realität bin ich dort noch nicht angelangt. Ich kann mir aber gut vorstellen, wenn man seine Hauptprobleme überwunden hat, sich hoffentlich besser fühlt und irgendwie im Leben angekommen ist.
Ich bin hier etwas im Zwiespalt, auf der einen Seite sind in dem Buch interessante Wege aufgeführt, auf der anderen Seite kommen mir bei all diesen widerrum die "Fallen" in Quere, welche ich auch nicht mit dem 7. Teil wirklich lösen kann.
Persönlich betrachtet bin ich mir nicht sicher mit der Bewertung, einerseits eine gute Zusammenfassung der Problematik und verschiedenen Lösungsansätzen, anderseits: Wenn Selbstcoaching bisher geholfen hätte, würde ich dieses Buch erst gar nicht lesen ...
Die Zusammenstellung und der Versuch sind dennoch lobenswert.

Die Rezension werde ich demnächst vervollständigen.

Eine Bemerkung zum Druck: Im Gegensatz zu manch anderen Büchern die erst nach der Bestellung gedruckt werden, ist dieses hier von BoD hochwertig ausgeführt.

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